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Republik

Die Preußen und Habsburger versuchten durch ihr militärisches Eingreifen Ludwig XVI. zu retten. Nachdem dies gescheitert war, drangen im September/Oktober 1792 französische Truppen unter General Custine von Landau über Speyer nach Worms und Mainz vor. Weite Teile Rheinhessens und der Pfalz, darunter auch Weyher, waren nun französisch besetzt. Dieses Gebiete sollte nun für lange Jahre heiß umkämpftes Gebiet bleiben. Wie viele Orte mußte auch Weyher mit wechselnden Einquartierungen leben. Die vielen Truppen im Lande liesen sich von den Einheimischen versorgen. In den meisten Dörfern wurden Franzosen als Befreier gefeiert. Der Freiheitsbaum wurde aufgestellt, ein Zeichen, das später in der bayerischen Zeit als Zeichen des Widerstands durch die Ulanen des Fürsten Wrede blutig niedergeschlagen wurde!

Bereits 1792 hatte Custine für sein linksrheinisches Besatzungsgebiet eine allgemeine Verwaltung eingesetzt. Doch die Pfälzer verhielten sich eher abwartent. Sie hegten durchaus Sympathien für die revolutionären Ideale, sie wollten jedoch eine Unabhänge Pfalz. Im Jahre 1793 sollten in den besetzten Gebieten neue Ortsverwaltungen gewählt werden. Wahlberechtigt waren nur Männer (aktives Wahlrecht ab 21, passives Wahlrecht ab 25), die vor der Stimmabgabe einen Eid leisten mußten: "Ich schwöre treu zu sein dem Volke und den Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit". Mit diesem Schwur taten sich die katholisch-speyerischen schwer, fast alle weigerten sich. Nur Deidesheim und Weyher erklärten sich zur Eidleistung bereit. Beide Ortschaften bestanden jedoch auf einer Urkunde, das ihnen die gewaltsame Abzwingung des Eides bestätigte. In Weyher kam es weder zur Wahl der Munizipalität (Ortsverwaltung) noch zur Wahl eines Deputierten für den Mainzer Nationalkonvent. Der Mainzer Nationalkonvent konstiutierte sich am 17. März 1793 und rief einen Tag später den "rheinisch-deutschen" Freistaat, besser bekannt als "Mainzer Republik", aus. Einen Monat später begann die Belagerung Mainz (von der Goethe zu berichten weis), und weitere drei Monate später wurde Mainz von Preußen-Habsburg besetzt. Das Mainzer Revolutionszwischenspiel war beendet.

Doch nicht nur im fernen Mainz wurde gekämpft. Auch der Südpfalz brachten die folgenden Kriegsjahre große Not und Entbehrung. Insbesondere die wechselnde Besatzung machte den Menschen zu schaffen. Die Truppen ernährten sich "aus dem Land". Besonders die Franzosen fielen durch ihre systematische Ausleerung der Pfalz auf. Auch in Weyher wurde "mit Gruß und Bruderliebe" konfisziert. Am 20. März 1794 kamen die Franzosen zur "großen Abkassiererei" nach Weyher. Der kleine Ort mußte die enorme Summe von 5.087 Gulden und 30 Kreuzer zahlen. Bei Nichtbezahlung wird der Ort abgefackelt. Die Orgel wurde mit 22 Gulden extra berechnet, ebenso wie die große Glocke, die 105 Gulden kostete. Doch trotz der Lösegeldzahlung sollten dann die Glocken einige Tage später doch abgeholt werden. Sie sollten zu Kanonen umgegossen werden. Mehrere junge Männer vergruben die bereits vom Turm geholten Glocken in einem gerodeten Feldstück. Dort blieben die Glocken dann zehn Jahre. Es ist belegt, daß die Glocken erst im Jahre 1804 wieder ihren angestammten Platz eingenommen haben.

1793 wurde Landau belagert, 1793/1794 fanden die Schlachten am Schänzel und bei Edenkoben statt bevor im Frieden von Campo Formio im Oktober 1797 das deutsche Reich auf das linke Rheinufer verzichtete. Die endgültige völkerrechtliche Anerkennung der Pfalz als französisches Territorium erfolgte 1801 im Frieden von Luneville. Das linke Rheinufer wurde in vier Departements eingeteilt, Weyher gehörte zum Departement Donnersberg, Teile der Südpfalz kamen zum Departement Bas Rhin mit Sitz in Straßburg. Der seit 1793 gültige Revolutionskalender wurde auch in der Pfalz eingeführt, konnte sich hier wie andernorts allerdings nicht durchsetzen.

(Quelle: Geschichte der Pfalz, Karl Mörsch, 5. Auflage 1994; 1200 Jahre Weyher in der Pfalz 777 - 1977, Herausgeber: Gemeinde Weyher in der Pfalz, 1977; Die Glocken von Weyher, Hrsg. Wiltrud Ziegler/Pfarrgemeinde Weyher in der Pfalz, 1994; Foto: Georg Seiler)