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Pfälzische Republik

Pfälzische Republik (1919)

Der in Speyer residierende General Gérard förderte den Landauer Chemiker Eberhard Haas, der bereits im Dezember 1918 Begründer einer "Freien Pfalzbewegung" war. Haas forderte Mitte Mai 1919 zusammen mit französischen Offizieren den Regierungspräsidenten der Pfalz von Winterstein auf, sich an die Spitze der Autonomiebewegung zu setzen. Als von Winterstein ablehnte, wurde er ausgewiesen. Am 1. Juni 1919 rief Haas die "Pfälzische Republik" aus und drang mit einigen Gefolgsleuten in das Speyerer Regierungsgebäude ein. Das Unternehmen scheiterte und er wurde nach damaligen Presseberichten "verprügelt und mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen".

Mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags am 28. Juni 1919 war zwar die Abtretung der linksrheinischen Gebiete für 15 Jahre festgeschrieben, aber eine Ablösung war nicht vorgesehen. Nach der Abberufung Gérards am 20. Oktober 1919 endeten die Aktionen der Gruppe um Haas, die erste separatistische Episode in der Pfalz war beendet.

Rheinische Republik

Rheinische Republik (1923)

Ende September 1923 verstärkten sich die separatistischen Bewegungen in den linksrheinischen Besatzungsgebieten. Ermuntert von der französischen und belgischen Besatzungsmacht bildeten sich sowohl im preussichen Rheinland, in der Pfalz und in Rheinhessen Autonomiebewegungen. Ging es den Franzosen vorranging um die Schaffung von "Pufferstaaten" und die Abtrennung des Ruhrgebiets vom deutschen Reich, so sahen die Separatisten politische und wirtschaftliche Vorteile.

Am 21. Oktober 1923 rief man in Aachen die "rheinische Republik" aus. Die Entwicklung in Bayern, wo am 26. September der rechtsradikale Gustav Ritter von Kahr mit diktatorischer Vollmacht ausgestattet zum "Generalstaatskommisar" ernannt worden war, lies einige pfälzischen Sozialdemokraten unter Johannes Hoffmann auf General de Metz zugehen. Sie signaliertem dem General am 23. Oktober ihre Bereitschaft, die Pfalz in einen selbständigen Staat im Rahmen des deutschen Reiches umzubilden. Der Versuch scheiterte am Wiederstand der Behörden und Parteien, nicht zuletzt an der pfälzischen Sozialdemokratie, die sich vehement und deutlich von Hoffmann distanzierte.

Autonome Pfalz

Autonome Pfalz (1923 - 1924)

General de Metz gab nicht auf, er setzte nun seine Hoffnungen auf die Gruppen, die die rheinische Republik ausgerufen hatten. Hier insbesondere auf Franz-Josef Heinz. Der pfälzische Führer der Feien Bauernschaft kam aus dem nordpfälzischen Orbis und wurde gemeinhin als Heinz Orbis bekannt. Heinz Orbis sammelte "Truppen" um sich und eroberte in der Zeit vom 6. bis 10. November Kaiserslautern, Neustadt und Landau. Regierungspräsidium und Bezirksamt "kapitulierten", und Heinz Orbis proklammierte am 12. November 1923 in Speyer die "Autonome Pfälzische Republik". In den folgenden Tagen kamen weitere pfälzische Städte in seine Gewalt. So unsere Nachbargemeinde Edenkoben, wo die Separatisten in der Nacht vom 18. auf 19. November 1923 auf dem Stadthaus ihre Fahne hissten.

Die Separatisten genossen keinen großen Rückhalt in der Bevölkerung. Sie erhielten auch Zulauf von Kriminellen, welche den Ruf der Separatisten nicht gerade verbesserten. Durch anmaßendes Auftreten, Plünderungen und Mißhandlungen verstärkte sich der ohnehin vorhandene Widerstand der Bevölkerung.

Der Antiseparatistische Wiederstand wurde von Heidelberg aus geleitet. Hier operierten die "Haupthilfsstelle für die Pfalz" und die "Pfalzzentrale". Neben der Propaganda wurden auch Anschläge gegen die Franzosen durchgeführt. Der aus Ludwigshafen stammende Edgar Julius Jung rekutierte in den rechtsradikalen Münchner Verbänden einige Verschwörer und ermordete am 9. Januar 1924 im Hotel Wittelbacher Hof in Speyer Heinz-Obis und zwei weitere Gäste.

Am 12. Frebruar kam es zum Sturm auf das Pirmasenser Bezirksamt. In französischen Quellen wird vom "Massaker von Pirmasens" gesprochen. Ausgelöst von der angedrohten Schliessung der Pirmasenser Zeitung stürmten die erbosten Menschen das von den Separatisten gehaltene Bezirksamt. Nach dem Eindringen des Mobs in das Bezirksamt gab es kein halten mehr, es wurden keine Gefangene gemacht. Wer sich ergeben wollte wurde gelyncht. 23 Menschen kamen an diesem Tag zu Tode, es gab viele Verletzte.

Eine interessante Schilderung (aus Pirmasenser Sicht) finden Sie bei der Pirmasenser Zeitung (Externer Link).

(Quelle: Die Pfalz - links und rechts des Rheins, Hausegegeben von Alexander Schweickert, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz; Die Pfalz im 20. Jahrhundert, Herausgeben von Theo Schwarzmüller und Michael Garthe; 1200 Jahre Edenkoben, Im Auftrag der Stadtverwaltung herausgeben von Alfred Hans Kuby; Die Pfalz und die Stadt Kaiserslautern zur Zeit der Weimarer Republik; Autor Michael Rindchen, Mark Wenz aus www.hausarbeiten.de; www.sankt-martin-pfalz.de)